Ruthe


Ruthe

Disposition:
Hauptwerk:
Bordun 16'
Principal 8'
Viola d’amore 8'
Hohlflöte 8'
Octave 4'
Mixtur 2-3f
Brustwerk:
Salizional 8''
Lieblich Gedeckt 8'
Harmonieflöte 4'
Pedalwerk:
10. Subbaß 16'
11. Prinzipalbaß 8'
Die Orgel der katholischen Kirche in Ruthe wurde im Jahr 1897 als Opus 352 durch unser früheres Stammhaus Furtwängler und Hammer erbaut. Das Instrument wurde mit pneumatischen Kegelladen gebaut und ist so Zeugnis der frühen Bauphase pneumatisch gesteuerter Orgeln, da noch im Jahr 1895 vorwiegend mechanische Kegelladen gebaut wurden. Bei pneumatischen Orgeln erfolgt die Steuerung von der Taste bis zum Ventil unter der Orgelpfeife mit Luftdruck über kleine Röhren. Diese Bauart eröffnete dem Orgelbau seinerzeit ganz neue Möglichkeiten. Die Disposition des Hauptwerkes nimmt mit allen Grundstimmen auf Prinzipal 8‘ und Bordun 16‘ das Gerüstwerk ein. Das zweite Manual ist mit den drei Stimmen als liturgisches Komplementär- bzw. Begleitwerk zu verstehen.

Die Orgel in Ruthe erfuhr 1975 im Zuge des damaligen Zeitgeistes mit Orientierung am barocken Klangbild gravierende Veränderungen. Durch Änderung der Disposition und Intonation sollte der Klang aufgehellt werden. Bei dieser Maßnahme ging leider ein Teil des originalen Pfeifenwerkes verloren.
In den 1970er Jahren veränderte Disposition:
Hauptwerk:
Principal 8'
2. Viola d’ amore 8'
3. Hohlflöte 8'
4. Octave 4'
5. Octave 2'
6. Mixtur 3-4f
Brustwerk:
Lieblich Gedeckt 8'
Harmonieflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Pedalwerk:
10. Subbaß 16'
11. Prinzipalbaß 8'

Die charakteristischen Register wie Bordun 16’ und Salizional 8’ wurden entfernt. Ebenso wurde die typische romantische Mixtur ersetzt. Das Klangbild wurde im Einhergang mit der Winddrucksenkung intonatorisch „unterdrückt“. Somit bekamen die Prinzipalstimmen einen Flötencharakter und der typische sonore Klang ging verloren.

Die Maßnahmen der Restaurierung im Jahre 2009:

  1. Reinigung und Reparatur der Pfeifen
    Alle Pfeifen wurden gründlich gereinigt. Die Metallpfeifen wurden ausgebeult, die Stimmvorrichtungen gerichtet.
    Bei den Holzpfeifen wurden die Stöpsel gängig gemacht. Marodes Leder wurde ersetzt, ansonsten wurden die Leder mit Talkum wieder geschmeidig gemacht. Gerissene Spunde wurden neu verleimt.
  2. Restaurierung der pneumatischen Steuerung
    Die Steuerbälgchen waren allesamt erneuerungsbedürftig. Alle Hubbälgchen der Kegelventile als auch Relaissteuerungen wurden daher in der für Furtwängler & Hammer typisch konischen Bauart erneuert. Beim Wiedereinbau aller Hubbälgchen wurden die Kegel einreguliert.
  3. Rekonstruktion der ursprünglichen Windanlage
    Der Spanplattenbalg wurde entfernt. Es wurde ein großer Faltenbalg mit entsprechenden Holzkanälen nach Vorgabe von Furtwängler & Hammer angefertigt und eingebaut. Mit dem Anschluss an die Windanlage sind die Drücke für Pneumatik und Spielwind nun wieder gleich und ausgewogen.
    Um den Gesamtklang der Orgel nicht zu überreizen, wurde der Winddruck auf 80 mm WS festgesetzt, was auch noch einer guten und prompten Funktion der Pneumatik gerecht wird.
  4. Intonation
    Die Register wurden nach und zurückgestellt und neu intoniert. Dabei mussten vor allem die Kernspalten und Kernstellungen auf ihre ursprünglichen Maße gebracht werden, um den glänzenden sonoren Klang wiederzugewinnen. Der Bordun 16‘ konnte mit authentischem Pfeifenmaterial von Furtwängler & Hammer wieder hergestellt werden, ebenfalls Salizional 8‘. Fehlende Pfeifen wurden in Art, Material und Abmessung neu angefertigt.
Die ursprüngliche Anordnung der Register auf der Windlade wurde wieder hergestellt. Die sich aus Winddruck und Länge der offenen Pfeifen ergebene Stimmung liegt nun bei 440 Hz, bezogen auf 18°C.

Manual,- Pedal- und Melodiekoppel bereichern die Spielmöglichkeit. Nach genauer Untersuchung und Studie von Bauakten ähnlicher Instrumente muss erwähnt werden, dass die als Melodiekoppel bezeichnete Koppel eine einfache Superkoppel ist und alle Töne im ersten Manual eine Oktave nach oben koppelt. Da das Instrument der Anfangszeit der „pneumatischen Ära“ bei Furtwängler & Hammer entstammt, wurde mit Sicherheit auf Hinblick des obligaten Orgelspiels der Begriff Melodiekoppel verwendet, wenn die Begleitung der Hauptstimme im zweiten Manual gespielt wurde, der Cantus Firmus aber mit entsprechender Melodiekoppel einstimmig im ersten Manual.

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