Krostiz


Krostiz

Disposition:
Hauptwerk:
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Viola di Gambe 8'
Hohlflöte 8'
Octave 4'
Gemshorn 4'
Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Terz 1 3/5'
Mixtur 2' III-IVf
Oberwerk:
11.Gedackt 8'
12.Salizional 8'
13.Traversflöte 8'
14. Geigenprinzipal 4'
15. Zartflöte 4'
Pedalwerk:
16. Violon 16'
17. Subbaß 16'
18. Octavbaß 8'
19. Posaune 16'
Spielhilfen: Manualkoppel, Pedalkoppel HW
Die St. Laurentiuskirche in Krostitz, auch als "Dom zu Hohenleina" bekannt, besitzt eine romantische 19-registrige Orgel des Orgelbauers Conrad Geißler (1825-1897).

Sie ist laut Unterlagen das zweite Instrument in dieser Kirche und löste somit im Jahre 1876 die von Georg Rothe erbaute Orgel aus dem Jahr 1718/19 ab. Beide Orgelbauer kamen aus dem benachbarten Eilenburg.

Die Windversorgung führte Geißler mit 3 Kastenbälgen im Turmraum hinter der Orgel aus, die zusammen mit der Trittvorrichtung ein imposantes Werk bilden. Die gesamte symmetrische Orgelanlage wie auch die Hauptwerksdisposition sind klassisch gehalten.

Ziel der Restaurierung war es, die Orgel unter Wahrung der Substanz zu erhalten und in einen verlässlichen funktionstüchtigen Zustand mit dem originalem Klangbild zurückzuführen. Dabei sollte die Balganlage mit ihren drei Kastenbälgen wieder zum vollen Einsatz kommen. Die komplette Orgel (außer Gehäuse und Balganlage) wurde durch uns im Herbst 2005 abgebaut und zur Überarbeitung in die Werkstatt transportiert. Reinigung und Wurmbehandlung des Gehäuses und der Balganlage wie auch die Erneuerung der völlig verwurmten und so gefährlich gewordenen Laufböden und Lagerstücke wurden in Absprache durch die Gemeinde in Eigenleistung erbracht.

Pfeifenwerk

Alle Metallpfeifen wurden ausgebeult und an den Mündungen wieder zylindrisch geformt. Risse und Überlappungen wurden begradigt und neu verlötet. Zu stark zerstörte Mündungen wurden entfernt und entsprechende Pfeifen neu angelängt. Die Holzpfeifen wurden nach der Reinigung genauestens überprüft. Gerissene Fugen wurden dabei neu verleimt und mit Bolus-Leim Gemisch ausgegossen. Schadhafte zu stark verwurmte Stellen und Teile wie Wände, Kerne, Vorschläge und Stimmstopfen wurden in Abmessung und Material ersetzt.
Die offenen nachträglich abgesägten Holzpfeifen wurden wieder auf ihre Originallängen gebracht. Dies betraf die Diskantpfeifen der Hohlflöte wie auch die großen Pfeifen des Octavbaß 8'und Violon 16'.

Rekonstruktion Traversflöte Rekonstruktion Traversflöte Die fehlende Traversflöte haben wir in Geißlerscher Art und Weise rekonstruiert. Die Pfeifen überblasen ab g' und sind aus Ahorn gedrechselt. Im Gegensatz zu sonstigen Traversflöten aus Metall überbläst dieses Register ohne Seitenbohrungen.
Die Rohlinge für die Pfeifen, die aus einem Stück nach alter Art mit Löffelbohrern gedreht wurden, fertigte Martin Lodahl an.
Glücklicherweise waren noch die originalen Pfeifenstöcke vorhanden und gaben mitunter Rückschluss auf die Mensuren. Sonstige Maße und Mensuren konnten wir freundlicherweise am "Schwesterinstrument" in Eilenburg abnehmen. Die Anfertigung dieses aufwendigen Registers war durch die Pfeifenform und Art der keilförmigen Vorschläge mit Kanälen und den lippenförmigen Windlenkungen eine besondere herausfordernde Aufgabe.

Spieltisch und Traktur

Der gesamte Spielbereich wurde gründlich überarbeitet. Die beiden Manualklaviaturen wurden geschliffen und poliert. Punktuell haben wir einige stark abgespielte Vorderplatten der Klaviaturbeläge in Abmessung und Material erneuert. Die Tastengarnierungen wurden ebenfalls erneuert. Wie auch bei Geißler haben wir Sämischleder für die Tastenführung benutzt.
Klaviaturbacken, Notenpult und Registerbretter sind mit Schellack neu aufpoliert. Alle elektrischen Teile wurden aus dem Spieltisch entfernt und die entstandenen Löcher geschlossen.
Eine neue Blende verbirgt die neue Notenbeleuchtung hinter sich. Um den Spielbereich vor oft unansehnlichen Schaltern und Knöpfen frei zu halten, ist der Motorendschalter nun im Unterbau der Orgel mit der Registerwelle des Klingelzugs verbunden. So wird der Klingelzug ohne jegliche Modifizierung seiner ursprünglichen Aufgabe wieder gerecht. Die Pedalklaviatur wurde umfangreich überarbeitet. Zu sehr abgetretene Tastenbeläge aus Buche wurden ersetzt. Die Stabilität der Pedalklaviatur war durch totale Verwurmung nicht mehr gegeben. Deshalb haben wir die seitlichen Wangen und den Waagebalken erneuert.
Vier gebrochene Porzellanschilder der Manubrien wurden in Schriftart kopiert und ausgetauscht.

Die Traktur war in ihrer Leichtgängigkeit durch Schmutz, Korrosion und Wurmfraß stark eingeschränkt. Alle Trakturachsen der Wellen und Winkel in allen drei Teilwerken wurden erneuert. Verwurmte Wellen und Ärmchen wurden in Abmessungen und Material nachgebaut, ebenfalls die Holzdocken des Pedalwellenbrettes. Die Messingdocken der Oberwerksladen wurden vom Wellenbrett demontiert und gebürstet. Die Winkelkapseln der Metallwinkel im Oberwerk waren so stark verwurmt, dass eine normale Demontage der Winkel zur Reinigung nicht möglich war. Alle Kapseln wurden neu gebaut. Sämtliche Abstraktenenden erhielten neue Messingdrähte (fast 1000 Stück) mit Papierumleimung

Intonation und Stimmung

Bei der Intonation wurde Wert auf eine gesunde und freie Ansprache der Register gelegt. Wichtige Intonationsparameter wie vorgefundene Fußlochgrößen und Kernspaltenweiten ergaben in sich schlüssige Linien, die so Indizien für das Originalklangbild Geißlers waren.

Windanlage Krostiz Windanlage Krostiz Windanlage KrostizDas Klangbild der Orgel besticht neben vielen Registriermöglichkeiten durch ein klassisch frisch-herbes Prinzipalplenum, einer farbigen Kornettmischung und der Verschmelzung von Streichern mit charakteristischen Flöten. Es spricht für die hohe künstlerische Qualität und das Können Conrad Geißlers. Die Intonationsarbeiten wurden durch Herrn Norbert Britze aus Bad Düben begleitet. Der Winddruck beträgt 60 mm WS, die Stimmung ist gleichstufig temperiert (441 Hz bei 13° C).

Die Windversorgung führte Geißler mit 3 Kastenbälgen im Turmraum hinter der Orgel aus, die zusammen mit der Trittvorrichtung ein imposantes Werk bilden.
Die gesamte symmetrische Orgelanlage wie auch die Hauptwerksdisposition sind klassisch. Durch die Reaktivierung der ursprünglichen Winderzeugung mit Hilfe einer neu konstruierten Balgaufzugsanlage ist ein musikalisch atmender, aber dennoch stabiler Wind entstanden.


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